Wie lüftet man richtig?

  • Duschen, Kochen, Waschen, Pflanzen, Atmen: Das alles erzeugt Luftfeuchtigkeit, die ausgetauscht werden muss…

  • Luftdicht sanierte Gebäude sparen zwar Heizenergie, aber sie brauchen ausgiebigen Luftaustausch. Feuchtigkeit, die sich in kalten Ecken, an kalten Wänden oder an schlecht belüfteten Stellen niederschlägt, führt schnell zu Schimmelbildung. Lüften schafft Abhilfe!
  • Lüften kostet Wärmeenergie.

  • Hygienische und bauphysikalisch Gründe bedingen ein Minimum an Lüftung, das nicht unterschritten werden darf. Daraus folgt zwangsläufig ein Wärmeverlust durch die Wohnungsbelüftung und führt zu dem Problem: wie erreicht man ein Maximum an Raumluftqualität bei einem Minimum an Energieverbrauch.

    Eine dauerhaft gute Raumluftqualität bei geringsten Lüftungswärmeverlusten ist letztlich nur durch den Einsatz einer automatisierten Wohnungslüftung erreichbar.
    Lüftungswärmebedarf -wie hoch ist der?
    Es gibt viele Faktoren, die den Heizenergieverbrauch eines Hauses bestimmen. Angefangen bei der Lage des Gebäudes, der Gebäudeform über die Wärmedämmung der Gebäudehülle, der Qualität und Art der Heizanlage bis hin zum individuellen Nutzerverhalten. Der Anteil der Lüftung am Gesamtenergiebedarf steigt, wenn die Wärmedämmung der Gebäudehülle verbessert wird.

    Die hauptsächlichen Verluste bei Altbauten:
    Bei unsanierten Gebäuden, die bis Ende der sechziger Jahre gebaut wurden, gehen 65 bis 80 % der Wärme als Transmissionverluste durch scheinbar luftdichte Bauteile wie Wände, Dächer, Glasscheiben etc. verloren.
    Nur 20 bis 35 % des Heizbedarfs gehen auf Kosten der Lüftung. Deswegen ist der Lüftungswärmebedarf nicht niedriger als in einem gut gedämmten Haus, nur der Anteil ist aufgrund der hohen Transmissionsverluste geringer.

    Die Verluste bei Neubauten:
    Neubauten, die nach dem Mindeststandard der Wärmeschutzverordnung von 1982 erstellt wurden, oder nachträglich vergleichbar gedämmte Altbauten haben zwar dichte Fenster, trotzdem steigt der Anteil der Lüftungswärmeverluste auf nahezu 45 % an. Das hat zwei Gründe:
    1.Untersuchungen in einer Vielzahl von Wohnungen haben ergeben, daß die meisten Bewohner die neue Fenstertechnik falsch bedienen. Es bedarf weiterer Aufklärung um das Einsparpotential voll nutzen zu können und um verständlich zu machen, wie man sparsam lüften kann,ohne Bauschäden oder ein schlechtes Raumklima befürchten zu müssen.
    2.Der zweite Grund warum der relative Beitrag der Lüftung bei Neubauten ansteigt,liegt an der besseren Wärmedämmung und der damit verbundenen Verringerung der Wärmeverluste. Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang "Niedrig­Energiehäusern".

    Bei Niedrig­Energiehäuser entfallen nur noch 35 bis 50% der Gesamtwärmeverluste auf die Gebäudehülle. Der Lüftungswärmebedarf kann dann bis zu 2/3 des Gesamtwärmebedarfs ausmachen.
    Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

    Um Sicherheit gegen Feuchtigkeitsschäden (Schimmelbefall) zu erhalten, gehört die automatisierte Wohnungslüftung, möglichst mit Wärmerückgewinnung zum Standard derartiger Häuser. Damit können die Lüftungswärmeverluste auf ein Drittel des Gesamtenergiebedarfs reduziert werden.

    Wieviel Liter Heizöl oder m3 Erdgas braucht mein Haus für die notwendige Lüftung?
    Um den Verbrauch für Lüftung auf den gesamten Energieverbrauch abschätzen zu können, muss man die "Luftwechselrate" kennen.
    Die Luftwechselrate gibt an, wie oft pro Stunde ein kompletter Luftaustausch erfolgt. Sie hängt ab von der Winddichtigkeit der Gebäudehülle und dem Lüftungsverhalten der Bewohner- also wie lange und wie oft die Fenster geöffnet werden. Eine Luftwechselrate von "1" bedeu­ tet, daß im Mittel einmal pro Stunde die Luft komplett erneuert wird. Beträgt die Luftwechselrate "2",wird die Luft also zweimal pro Stunde erneuert.

    Eine Luftwechselrate (LWR) von "1" in einer 75 m 2 Etagenwohnung mit 752 Wohnraum bedeutet z.B.einen Heizölverbrauch von ca. 700 Liter pro Heizperiode. Bei einem Einfamilienhaus mit(140 m2 ) werden bei gleicher Luftwechselrate im Mittel schon 1.250 Liter Öl pro Jahr benötigt. Bei einer Luftwechselraten von "2" und mehr- wie sie von einigen empfohlen werden- kann den Energieverbrauch für die Lüftung auf über 3000 Liter pro Einfamilienhaus steigen lassen.

  • Warum muss gelüftet werden?
  • Wieviel Frischluft braucht der Mensch?
    Energiesparen und Lüften sind Gegensätze, denn Lüften kostet Wärmeenergie. Um die Frage beantworten zu können, welche Luftwechselrate vernüftig ist, sollten die Kriterien für eine sinnvoll hygienische Raumluftqualität besprochen werden, also die wesentlichen Bestandteile unsere Atemluft.

    Der Sauerstoff
    Der Ruf nach dem "Öffnen der Fenster" weil der Sauerstoff verbraucht ist, ist oft zu hören aber falsch. Bei den üblicher Betätigungen im Haushalt braucht ein Erwachsener nur zwischen 15 und 50 Liter Sauerstoff pro Stunde. In einem ca. 20 m2 großen Raum stehen etwa 10.000 Litern Sauerstoff zur Verfügung. Damit könnten bei einem Luftwechsel pro Stunde (theoretisch) in rund 200 Menschen sich in diesem Raum leicht körperlich arbeitend betätigen,ohne daß es zu einem akuten Sauerstoffmangel kommen würde!

    Das Kohlendioxid (CO2)
    Was den berechtigten Wunsch nach Frischluft auslöst, sind Gerüche von Körperausdünstungen und das mit der Atmung abgegebene Kohlendioxid (CO2 ). Bei jeder Verbrennung wird Kohlendioxid (CO 2 )frei. Auch bei der Energieumwandlung in Lebewesen entsteht laufend CO2, das hauptsächlich über die Atmung abgegeben wird. Nun ist das Kohlendioxid glücklicherweise kein Gas, das zu akuten Vergiftungserscheinungen führen kann, aber zu hohe CO2 ­Konzentrationen führen zu Ermüdungserscheinungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Empfindungen wie "miefige,stickige,verbrauchte" Luft. Aus vielen Untersuchungen hat sich ein direkter Zusammenhang zwischen der CO2­Konzentration und anderen, die Raumluft verschlechternden Gerüchen, Körperausdünstungen usw.ergeben. Bei der Bestimmung der nötigen Frischluftmengen liefert daher die CO2­Abgabe des Menschen einen guten Anhaltspunkt um auch alle anderen durch normale Benutzung entstehenden Luftverunreinigungen zu beseitigen. Umgekehrt bedeutet dieser Zusammenhang auch, daß durch einfaches Fensteröffnen entsprechend dem eigenen Geruchsempfinden auch das ausgeatmete, geruchlose Kohlendioxid in ausreichender Menge aus den Wohnungen entfernt wird. Eine empfohlene maximale Konzentration von 0,1 % CO2 in der Raumluft (ein in der Bundesrepublik und anderen europäischen Staaten anerkannter Grenzwert) führt zu Frischluftraten abhängig von der CO2­Abgabe der Personen. Diese liegt zwischen 10 und 75 Litern pro Stunde je nach Aktivität der Personen. Die DIN 1946 fordert eine Konzentration von maximal 1500 ppm CO2 in Innenräumen.
    Ein Beispiel:
    In einem 4­Personen­Haushalt wird hiernach pro Tag eine Frischluftmenge von 2.000­3.000 m3 benötigt. Das bedeutet, daß z.B. in einer 75 m2­Etagenwohnung im Schnitt alle eineinhalb bis zwei Stunden ein Austausch der Raumluft erforderlich wird. Im Einfamilienhaus (140 m2 ) reicht bei gleicher Belegung eine Erneuerung alle 3 bis 4 Stunden. Selbst unter extremen Voraussetzungen (alle Bewohner sind ganztägig zu Hause, 60 % höherer CO 2 ­Gehalt der Außenluft, z. B. Innenstadt bei "austauscharmer Wetterlage") braucht auch in einer kleinen Etagenwohnung nur etwa einmal pro Stunde die Luft ausgetauscht zu werden.

    Luftschadstoffe
    Auch die- auf den ersten Blick einleuchtende- Forderung, die notwendige Luftwechselrate an der Beseitigung von Luftschadstoffen (z.B. Lösungsmittel, Formaldehyd,Radon) zu orientieren, ist bei näherem Hinsehen wenig hilfreich. Einerseits nehmen unsere Sinnesorgane diese Verunreinigungen spät oder gar nicht wahr, weil sie entweder geruchlos sind oder schon weit unter der Riechbarkeitsschwelle bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen können. Andererseits ist eine einfache, laufende Messung und Überwachung von Luftschadstoffen aufgrund der Vielzahl von "Wohngiften" praktisch unmöglich. Der wirksamste Schutz gegen gesundheitliche Risiken ist nicht das vermehrte Lüften, sondern die Beseitigung oder die Abdichtung der Emissionsquellen. Was hilft wirklich gegen Luftschadstoffe:

    Der Wasserdampf Das versteckte Risiko Wasserdampf wird in bewohnten Räumen ständig in großen Mengen produziert. 8 bis 15 kg können in einem 4­Personen­Haushalt durchschnittlich pro Tag entstehen. Das ist soviel, als ob man den Inhalt eines Putzeimers auf dem Herd verkochen würde. In diesem Wasserdampfgehalt der Raumluft liegt ein verstecktes Gesundheitsrisiko:
    Einerseits ist Wasserdampf ein farb­ und geruchloses Gas, das genauso ungiftig ist wie Wasser in flüssiger Form. Auch können Menschen eine recht weite Spannbreite von Luftfeuchtigkeiten als angenehm oder erträglich finden. Das reicht von 2 g (pro Kubikmeter Luft) an klaren Wintertagen bis zu 20 g Wasserdampf (pro Kubikmeter Luft) nach einem Sommergewitter. Auch in beheizten Innenräumen (ca. 20° C) können die relativen Luftfeuchtewerte von 35 % bis 70 % reichen, ohne daß dies direkt als unangenehm empfunden wird.
    Zu trockene Luft:
    In den Randzonen dieser tolerierbaren Bereiche können aber Situationen entstehen, die ungesund sind. Das gilt besonders für zu trockene Luft. Unterhalb von Raumluftfeuchtewerten von ca. 40 % besitzen bestimmte Bakterien und Viren, die für Bronchialerkrankungen verantwortlich sind, eine größere Überlebensdauer. Außerdem werden elektrostatische Aufladungen, die Austrocknung der Schleimhäute und das bekannte "Kratzen im Hals" durch zu trockene Luft begünstigt (letzteres hat aber ursächlich mehr mit der Staubaufwirbelung durch zu heiße Heizkörper mit hohem Konvektionsanteil zu tun).
    Zu feuchte Luft:
    Dauerhaft hohe Luftfeuchtewerte (oberhalb 60 bis 65 % bei 20° C) führen, wenn Kondenswasserbildung an kalten Außenwänden eintritt, zu feuchten Stellen. In Verbindung mit den organischen Bestandteilen der Wandoberfläche (Tapete, Kleister, Anstrich) entsteht dadurch der ideale Nährboden für Schimmelpilze. Die Sporen hiervon sind z.T. extrem giftig und können chronische Erkrankungen der Atemwege und Allergien auslösen.
    Einige Feuchtigkeit-Abgaben in Wohnungen: Was versteht man unter "relativer" und "absoluter" Luftfeuchtigkeit?

    Kurven gleicher relativer Feuchte


    Kann man mit kalter Winterluft Räume entfeuchten?
    Warme Luft kann wesentlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Es entspricht der Alltagserfahrung, daß man mit Wärme Nasses trocknen kann. Aber mit kalter Winterluft?
    Um dies zu verstehen, muß zunächst die Verwirrung um die Prozentangaben bei der Luftfeuchtigkeit geklärt werden. Wie schon oben erklärt, ist die Bezugs größe für die sogenannte "relative Luftfeuchtigkeit" immer die bei der jeweiligen Temperatur mögliche maximale Luftfeuchte.
    Noch ein Beispiel: Außen zeigt das Thermometer -5° C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 80 % an. Die Luft enthält in diesem Fall 3,3 g/cbm * 80 % = 2,6 g/cbm Wasserdampf. Innen herrschen 20° C bei 50 % relativer Luftfeuchte. Dies enspricht 17,3 g/cbm * 50% = 8,6 g/cbm Wasserdampf. Mit jedem Kubikmeter Luft entweichen bei diesem Beispiel 8,6 - 2,6 = 6 g Wasserdampf aus dem Haus. Und genau das ist der Effekt, der durch Lüften erreicht werden soll!
    Um den überschüssigen Wasserdampf aus der Wohnung zu entfernen, sind je nach Jahreszeit sehr unterschiedliche Luftwechselraten erforderlich. Denn die Menge Wasserdampf, die mit einem kompletten Luftaustausch weggelüftet werden kann, hängt vom aktuell herrschenden Unterschied zwischen der absoluten Außen­ und Innenluftfeuchte ab. Da im Winter die Außenluft selbst bei Regen, Schnee oder Nebel wesentlich trockener ist, reicht es auch in einer kleineren Etagenwohnung, höchstens alle zwei Stunden einmal durchzulüften (d.h. Luftwechselrate = 0,5/ Std.), um die relative Innenluftfeuchte nicht über 50 % steigen zu lassen.
    Bei Außentemperaturen oberhalb +5° C steigt der Lüftungsbedarf jedoch stark an, da pro Luftwechsel immer weniger Dampf abgeführt werden kann. Bei +10° C ist gesättigte Außenluft schon absolut feuchter als Raumluft von 20° C mit 50 % relativer Feuchte. D.h. an Tagen mit relativ mildem, aber feuchtem Wetter muß 2-3 mal häufiger gelüftet werden als an kalten Wintertagen. Wer im Wohnzimmer ein Hygrometer hängen hat, wird bei diesem milden,feuchten Wetter einen Anstieg der relativen Raumluftfeuchte auf Werte über 60 % beobachten können. Die vielfach befürchteten Feuchteschäden Tauwasserbildung,Schimmelflecken etc.) sind jedoch zu dieser Jahreszeit nicht zu erwarten: Bei Temperaturunterschieden von bis zu 15° C zwischen drinnen und draußen sind die Wandoberflächen auch an den kritischen Stellen warm genug.
    Ausnahme:unbeheizte und falsch gelüftete Schlafzimmer!
    Kritisch und schadensträchtig sind jedoch Situationen mit Außentemperaturen ab Gefrierpunktnähe bei gleichzeitig hoher Raumluftfeuchte (über 65 %). Bei ungedämmten Außenwänden kann dann im Bereich von Wärmebrücken (Außenecke, Deckenanschluß, Fensterlaibung u. ä.)die raumseitige Oberflächentemperatur schon so niedrig sein, daß sich über einen längeren Zeitraum Kondenswasser bildet. Abhilfe schafft bei diesem Problem:
    1. Dämmung der tauwassergefährdeten Stellen oder besser noch: lückenlose Außendämmung für das gesamte Haus.
    2. und bewußte aktive Lüftung, die die Raumluftfeuchte in der kritischen Zeit nicht über 50 -- 55 % ansteigen läßt.
  • Wie oft muss gelüftet werden?
  • Es gibt keine für alle möglichen Witterungssituationen einheitliche Antwort. Die Kunst des optimalen Wohnungslüftens ist jedoch erlernbar, wenn folgendes beachtet wird:
    Selbstlüftung:
    Kein Haus ist ganz dicht. Selbst Massivbauten mit neuen, gedichteten Fenstern haben- ohne Fenster und Türen zu öffnen- noch einen durchschnittlichen Luftaustausch von mindestens 2 bis 3 mal am Tag (entspricht LWR 0,1). Lüften mit Fenster Einfluß von Thermik:
    Der natürliche Auftrieb von warmer Luft ist die wichtigste und gleichzeitig am meisten unterschätzte Antriebskraft für die Lüftung. Das gilt einerseits für den Luftaustausch am offenen Fenster, als auch für Fugen und Ritzen. Dieser schleichende, aber meist nur bei sehr kaltem Wetter fühlbare Luftstrom macht, weil er praktisch ständig mehr oder weniger stark stattfindet, den Hauptbestandteil der Lüftungswärmeverluste aus.


    Je größer der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen ist, desto stärker ist das Bestreben der warmen Zimmerluft beim Fensteröffnen, nach draußen aufzusteigen. Die notwendige Öffnungsdauer, um einen kompletten Luftaustausch im Raum zu erzielen, ist daher im Winter erheblich kürzer (ca. 5 min. bei ganz geöffnetem Fenster) als in der Übergangszeit (15 min.).

    Die für die angege­ benen Lüftungs­ zeiten besonders zutreffenden Monate Ungefähre Lüftungszeit in Abhängigkeit von der Außentemperatur
    Dezember, Januar, Februar 4 bis 6 Minuten
    März, November 8 bis 10 Minuten
    April, Oktober 12 bis 15 Minuten
    Mai, September 16 bis 20 Minuten
    Juni, Juli, August 25 bis 30

    Windeinflüsse:
    Schon mäßiger Wind (5 m/s ~Windstärke 3 bis 4), kann z.B. am gekippten Fenster den Verlust gegenüber Thermik verdoppeln. In ähnlicher Weise wirkt sich natürlich der Wind auch auf den ständigen, unkontrollierbaren Luftaustausch durch Fugen und Ritzen aus. Dabei kommt dem Wind eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu:
    Auf der windzugewandten Seite herrscht ein starker Überdruck, der sich auch in Form von eindringender Kaltluft bemerkbar macht. Auf allen anderen Seiten entsteht durch die vorbeiströmende Luft ein (schwächerer) Unterdruck, der aber kaum fühlbar ist, da hier warme Luft nach außen gesogen wird. Diese ungewollte, ungleichmäßige Frischluftzufuhr ( auf der "Winddruckseite" eher zuviel, auf der "Windsogseite" eher zu wenig) führt bei dem Versuch, dies durch Offenlassen der Innentüren ausgleichen zu wollen, zu noch höheren Energieverlusten, da es dann zu einer regelrechten Dauerquerlüftung kommt. Eindringende Kaltluft mit ihrer geringen Feuchtigkeit führt- abgesehen von Zugerscheinungen -kaum zu Problemen, da hierdurch "nur" die Luftfeuchtigkeit im Gebäude gesenkt wird. Warme, feuchte Raumluft dagegen, die durch den Windsog nach außen "gesaugt" wird, kann aber schon in der Außenhülle kondensieren. Verbleibt dies Kondensat über längere Zeiträume in der Konstruktion, kann es zu Bauschäden kommen. Dies gilt es durch eine luftdichte Ebene (z.B. Dampfbremse oder -sperre im Dach) in der Gebäudehülle zu vermeiden. Der Versuch, dies durch Offenlassen der Zimmertüren auszugleichen, führt zu noch höheren Wärmeverlusten (Querlüftung!)und hilft bei der Verbesserung der Luftqualität nur begrenzt, da die Räume auf der windabgewandten Seite ihre Zuluft hierbei nach wie vor aus den Nachbarräumen und nicht als Frischluft von außen bekommen. Die energiesparendste Art, Wohnungen zu lüften, orientiert sich am tatsächlichen, momentanen Frischluftbedarf. Dafür lassen sich folgende einfache Regeln aufstellen:
    Bei raumweiser Lüftung das Fenster in der kalten Jahreszeit max. 5 Minuten ganz öffnen ( Stoßlüftung) Bei Querlüftung ( der effektivsten Lüftungsart) durch mehrere Zimmer reichen max. 3 Minuten.
    Die am weitesten verbreitete Lüftungsart (Kippfenster) führt auf der einen Seite meist zu viel zu hohen Luftwechselraten, weil z.B. in der kalten Jahreszeit die einströmende Luftmenge unterschätzt wird. Auf der anderen Seite findet in der "Übergangszeit" (spätes Frühjahr, Anfang Herbst) bei noch geringen Temperaturunterschieden zwischen innen und außen kaum ein Luftwechsel statt.
    Bei allen Lüftungsarten hängt die Dauer des Fensteröffnens vom Temperaturunterschied zwischen innen und außen und der Windstärke ab.
    Faustformel: Je kälter es draußen ist und je höher die Windstärke, desto kürzer die Lüftungsdauer. Nicht von einem Zimmer in das andere "lüften" bzw. "heizen", z.B. nicht vom warmen Wohnzimmer aus das kalte Schlafzimmer mitlüften und -heizen. Die warme und feuchtere Luft des Wohnzimmers kondensiert sonst ggfs. an den "kalten" Wänden des Schlafzimmers! Beim Duschen oder Baden im Bad oder Kochen in der Küche darauf achten, dass die sehr feuchte Luft nicht erst in die Nachbarräume gelangt, sondern so schnell wie möglich nach außen "weggelüftet" wird. Bei Abwesenheit über Tag ist natürlich auch das Lüften nicht möglich (Fenster auf "kipp" zu stellen bedeutet dann auch erhöhte Einbruchgefahr). Hier reicht es morgens und abends kurz aber kräftig (Querlüftung) zu lüften.

    Luftwechsel bei verschiedenen Lüftungsarten
    Art der Lüftung Luftwechselrate (1/Stunde) Öffnungsdauer für 1 Luftwechsel
    Fenster und Türen dicht 0,1 bis 0,3
    Undichte Häuser (i. M.) bis 2,0
    Regulierbare Lüftungsspalte (Dosierlüfter)
    0,2 bis 0,8

    75 bis 300 Min.
    Fenster gekippt
    -ohne Querlüftung
    -mit Querlüftung

    0,8 bis 2,5
    2 bis 4

    24 bis 75 Min.
    15 bis 30 Min.
    Fenster ganz offen -ohne Querlüftung -mit Querlüftung
    9 bis 15
    >20

    4 bis 7 Min.
    bis 3 Min.


  • Einige Antworten auf häufig gestellte Fragen.